Nicht nur wegen der Erfolge bei der Arbeit mit den Hauptschüler/n/innen kann vom „Hiltruper Modell“ als einem Erfolgsmodell gesprochen werden, sondern inzwischen wird dieses auch in der Öffentlichkeit anerkannt.

Als eine wichtige öffentliche Anerkennung der Arbeit des „Hiltruper Modells“ kann die erfolgreiche Bewerbung um den von der Stiftung „Bürger für Münster“ ausgelobten Preis „Bürger machen Zukunft“ gelten. Dem Verein „Jugendhilfe Direkt e.V.“ wurde der mit 2000 EURO dotierte Preis in Silber zugesprochen. Der Preis war für den Verein nicht nur eine dringend benötigte finanzielle Unterstützung seiner Arbeit, sondern wurde von ihm auch zum Anlass genommen, sich, wie es im Pressebericht heißt, öffentlich zu bedanken „bei allen Bürgerinnen und Bürgern, die „Jugendhilfe Direkt“ unterstützen, jeder Cent fließe in die Jugendhilfe“ betonte der Verein.

Im gleichen Sinne kann die Einladung des Vereins zur Fachkonferenz „Berufsberatung und Schule“, die im Oktober 2005 in Bochum stattgefunden hat, als Anerkennung durch die Fachöffentlichkeit gewertet werden. In der Präsentation des „Hiltruper Modells“ wurde eindringlich auf den Optimierungseffekt aufmerksam gemacht, der durch die dauerhafte direkte Zusammenarbeit von Agentur für Arbeit Münster, Hauptschule Hiltrup und „Jugendhilfe Direkt e.V.“ unterstützt durch ein schüler/innenfreundliches Online-Portal erreicht wird. Aufgrund des kooperativ arbeitenden „Hiltruper Modells“ stehe fest, so der Tenor der Präsentation, dass Berufsberatung langfristig angelegt sein müsse und nicht nur punktuell stattfinden dürfe, wenn Hauptschüler/n/innen wirklich der Übergang von der Schule in den Beruf geebnet werden sollte. Angesichts der vielen im Internet verfügbaren Angebote zur Information und Selbsteinschätzung, die durchaus effektiv sein können, müsse doch auch festgestellt werden: Mit diesen Internetangeboten sind Schüler/innen von Haupt- und Realschulen mehrheitlich überfordert. Sie benötigen, so die Erfahrung des „Hiltruper Modells“, eine unterstützende Begleitung, um die angebotenen Inhalte nachzuvollziehen und daraus für sich etwas machen zu können.

Diese Feststellung stimmt mit dem überein, worauf in der Medienforschung seit Langem hingewiesen wird: Zweifellos können mithilfe von PC, Internet und Handy Informationen aufgenommen und untereinander ausgetauscht werden. Wenn aber mithilfe der elektronischen Informationstechniken die individuelle soziale Orientierung und praktische Entscheidungsfindung gestärkt werden soll, dann gelingt das nur, wenn das Individuum die angebotenen Informationen versteht. Verstehen heißt in diesem Falle nicht, Informationen für einen vorgegebenen Zweck zu übernehmen, sondern in den eigenen realen Lebenszusammenhang einzufügen. Für das Verstehen und den weiteren Schritt, vom Verstehen zum Wollen z. B. „einen bestimmten Beruf lernen wollen“, bedarf es dann weiterer Lernanstrengungen. Damit sind soziale Lernanstrengungen gemeint, in denen Menschen mit Menschen miteinander, von Angesicht zu Angesicht lernen.

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Die besondere Qualität des „Hiltruper Modells“ besteht genau darin, dass den Schüler/innen durch soziales Lernen kontinuierlich über mehrere Jahre hinweg dabei geholfen wird, durch Umwege und Mutlosigkeit hindurch den eigenen Weg zum Beruf zu finden und für sich begehbar zu machen. Dabei spielt auch die IT-basierte Kommunikation eine wichtige Rolle. Ausschlaggebend ist jedoch, dass die gesamte Arbeit aufgrund des personenbezogenen Umgangs der Schüler/innen untereinander sowie mit den Lehrer/n/innen, der Diplom-Sozialpädagogin und dem zuständigen Berufsberater als ein sozialer kommunikativer Prozess stattfindet. Erst dadurch entstehen bei den Jugendlichen die für die eigene Lebensführung so wichtigen sozialen Kompetenzen, die in der Arbeitswelt Soft Skills genannt werden.

Hieraus und aus den vorhergehenden Kapiteln lässt sich das Modellhafte
des „­Hiltruper Modells“ herausdestillieren. Modellhaft am „­Hiltruper Modell“
ist, dass

• mit den Hauptschüler/innen zielgerichtet über drei Jahre auf den Einstieg in eine Berufsausbildung hingearbeitet wird;
• die Hauptschüler/innen sowohl am zentralen Lern- und Beratungsort Hauptschule Hiltrup als auch an mehreren anderen, außerschulischen Lern- und Beratungsorten lernen, arbeiten und trainiert werden;
• das Thema des Übergangs von der Schule in den Beruf im Wirtschaftslehreunterricht nicht isoliert behandelt wird, sondern eingebunden in das Netzwerk des „­Hiltruper Modells“ stattfindet;
• der gesamte Prozess der Arbeitsweltorientierung und Berufsfindung durch die Diplom-Sozialpädagogin als ein Prozess der Persönlichkeitsentwicklung gestaltet wird;
• sich in der Arbeit das Organisatorische und das Pädagogische optimal miteinander verbinden;
• die Diplom-Sozialpädagogin den ehemaligen Hauptschüler/n/innen bei Bedarf auch nach Beendigung der Schule als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht,
• die gesamte Arbeit ganzheitlich konzipiert ist.

Diese Komponenten machen das Modellhafte des „­Hiltruper Modells“ aus. Es beweist, dass die Ausbildungsreife von Hauptschüler/n/innen hergestellt werden kann. Daher spricht alles dafür, an dem durch das „­Hiltruper Modell“ repräsentierten Qualitätsstandard bei der Förderung von Hauptschüler/innen auch in Zukunft festzuhalten

WN 5. Dezember 2005
WN 5. Dezember 2005
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