Der Markt für Ausbildung hat sich gedreht
Von Michael Grottendieck in der WN Ausgabe Hiltrup am Donnerstag 19. März 2026
MÜNSTER-HILTRUP. Wer einen Ausbildungsplatz ergattern mochte, muss wieder mehr Bewerbungen schreiben. Eine Tatsache kommt den Schülern in diesem Jahr aber noch zugute.
Der Berufsparcours des Vereins „Jugendhilfe Direkt“ ist bereits vielen Jahren eine feste Institution. Alle zwei Jahre findet er mit Unterstützung Technikzentrums Minden/Lübbecke in der Stadthalle statt, um Schülerinnen und Schüler der Haupt- und Realschule mit potenziellen Arbeitgebern in der Region zusammenzubringen.
„Wann haben Firmen ansonsten die Chance, innerhalb eines Vormittags mit 350 potenziellen Bewerbern in Kontakt zu kommen?“, sagt Hans-Werner Kleindick, der Vorsitzende von „Jugendhilfe Direkt“. Dennoch musste er vor einigen Monaten erst einmal tief schlucken. Eine Reihe an Unternehmen, die zu den Stammgästen zählen, hatten ihre Teilnahme für dieses Jahr abgesagt. Ein untrügliches Zeichen, dass sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt dramatisch verändert.
Jetzt sind es nicht mehr die Firmen, die händeringend Bewerber für ihre Ausbildungsplätze suchen – die Jugendlichen müssen wieder eifriger Bewerbungen schreiben für ihren Start ins Berufsleben.
Viele bunte Tafeln mit den Bezeichnungen aller möglichen Obstsorten und Gemüsearten liegen bei der Firma L. Stroetmann auf dem Tisch. Ausbildungsleiter Lukas Fritsch und sein Team haben die Frischetheke eines ihrer Lebensmittelmärkte geplündert und Obst und Gemüse mitgebracht. Als Pausensnack ist das Obst nicht gedacht. Die Jugendlichen sollen in Berührung kommen mit frischen Produkten. Für einen Beruf im Einzelhandel gehört das zu. Doch das Wissen ist höchst unterschiedlich. Entscheidend ist, was die Jugendlichen zu Hause kennengelernt haben. Bei vielen wird frisch gekocht, bei anderen gibt es Schwierigkeiten, einen Kohlrabi zu erkennen und zu benennen.
Ausbildungsleiter Lukas Fritsch hat sich rechtzeitig auf die große Besonderheit eingestellt, den der Sommer 2026 mit sich bringt: Es wird kaum Abiturienten geben in diesem Jahr aufgrund der Umstellung von G8 auf G9. „Wir haben bereits verstärkt FSJ-ler angesprochen“, sagt Fritsch und zeigt sich optimistisch, für die verschiedenen Ausbildungsberufe genügend Personal zu finden.
Auch die Ausbilder bei der Polizei werfen einen genauen Blick auf die Schüler der Jahrgangsstufen Acht und Neun der Realschule. Über das Fachabi Polizei und ein Duales Studium könnte sich für sie der Weg zur Polizei öffnen. Über mangelndes Interesse könne er sich nicht beschweren, sagt der Ausbildungsleiter. Er hat allerdings auch klare Vorstellungen.
Die anfänglichen Lücken hat der Verein „Jugendhilfe Direkt“ schließen können: Am Berufsparcours sind 13 Firmen und Betriebe mit 21 Ständen vertreten. Hans-Werner Kleindiek wirkt zufrieden. Neu dabei sind die Franziskus-Akademie, das Seehotel Krautkrämer und die Gärtnerei Volmary, die viele farbenfroh blühende Blumen und Zierpflanzen mitgebracht hat.


