„Jugendhilfe direkt“: Eine Erfolgsgeschichte
(WN Ausgabe Hiltrup am Donnerstag, 29.01.2026, von Michael Grottendieck)
Wenn der Übergang zur weiterführenden Schule bevorsteht, zählen für die meisten Eltern nur das Gymnasium und Abitur. Hans-Werner Kleindiek ist Vorsitzender des Vereins „Jugendhilfe direkt“ und hat diese Erfahrung in den vergangenen 40 Jahren immer wieder gemacht.
Zum Wohl des Kindes sei das nicht, sagt er. Er kennt Beispiele, dass es auch ohne Gymnasium und Abitur Wege zum Erfolg gibt. Einer von ihnen hat mittlerweile die Meisterprüfung erfolgreich absolviert.
Stress und Abgang vorprogrammiert
Unter der Wahl der falschen Schulform müssten am Ende die Kinder am meisten leiden, sagt Kleindiek: „Vorprogrammiert ist jede Menge Stress im Schulalltag, so dass der Wechsel vom Gymnasium oder von der Realschule fast zwangsläufig erfolgt.“
An der Hauptschule Hiltrup versucht man seit vielen Jahren, über Praktika den Weg in die Berufswelt zu ebnen. „Wir vom Verein Jugendhilfe direkt haben bereits vor einigen Jahren in Absprache mit der Schulleitung ein freiwilliges Langzeitpraktikum eingeführt“, berichtet der Vorsitzende.
Vor allem das dreiwöchige Schülerpraktikum in der Jahrgangsstufe 9 bietet aus seiner Sicht eine intensive Einführung von Schülerinnen und Schülern in die Berufswelt. Man konzentriert sich dabei auf ein konkretes Projekt und einen bestimmten Beruf.

Mit dem Anfertigen eines Schuhs während eines Schülerpraktikums fing es an. Mittlerweile hat der ehemalige Praktikant die Meisterprüfung erfolgreich absolviert. (Foto: Hans-Werner Kleindiek)
Mit einem Schuh fing es an
Noch lebhaft erinnert er sich an ein Projekt im Jahr 2016, als vier Praktikanten von der Hauptschule bei der Firma Zumnorde unter Anleitung eines Altmeisters einen Lederschuh anfertigten. Das begann mit dem exakten Vermessen des Fußes und der Erstellung des Leistens. Nach etlichen Arbeitsstunden war tatsächlich ein kompletter Schuh entstanden.
Bereits damals fiel auf, dass einem Jungen aus dieser Gruppe die Arbeit besonders viel Spaß gemacht hatte. In Gesprächen mit „Jugendhilfe direkt“ sagte er, er könne sich ein längeres Praktikum vorstellen.
Zielstrebig den Weg gegangen
Der Weg zu einer regulären Ausbildung zum Orthopädie-Mechaniker eröffnete sich anschließend recht zügig. Als auch diese Prüfung mit Erfolg bestanden war, wurde er bei Zumnorde übernommen. „Im vergangenen Jahr haben wir erfahren, dass er seinen Meister gemacht hat“, erzählt Hans-Werner Kleindiek.
„Besser kann so eine gezielte Unterstützung durch unseren Verein nicht klappen“, freut er sich. „Mit dem ersten Erfolg bei einem Praktikum kam der Wunsch nach mehr auf und der junge Mann hat zielstrebig weitergemacht.“
Neuauflage des Berufsparcours
Auch in diesem Jahr plant „Jugendhilfe direkt“ einige Aktionen: So wird es den erprobten Berufsparcours in der Stadthalle geben, bei dem das praktische Tun im Vordergrund steht. Für die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe Sieben ist das Berufs-Orientierungs-Training (BOT) vorgesehen.


