Kleineres Werkzeug bewirkt kleine Wunder
Von Michael Grottendieck; erschienen am Freitag 24. April 2026 in der WN-Ausgabe Münster-Hiltrup
Bereits in der Klasse Sieben können Mädchen und Jungen spielerisch ihre Talente ausprobieren und früh erfahren, welche Berufe ihnen später einmal zusagen können. Die Zukunft dieses Programms ist allerdings ungewiss.

Karin Ressel vom Technikzentrum Minden-Lübbecke im Gespräch mit Berufsberaterin Kristina Hellwig, Schulleiterin Ute Rolink sowie Hans-Werner Kleindiek vom Verein Jugendhilfe Direkt” (v.r.). Foto: Michael Grottendieck
Es gibt Berufe, in denen Geschicklichkeit gefragt ist. „Unsere Schülerinnen und Schüler sind zumeist mit der Hand deutlich geschickter als bei anderen Tätigkeiten“, weiß Ute Rolink, Leiterin der Hauptschule Hiltrup.
Auch das ist kein Geheimnis: Mädchen stellen sich dabei oftmals geschickter an als Jungen. Erfahrene Berufsberater wie Karin Ressel wissen, warum so ist. Man könnte es auch so formulieren: Karin Ressel vom Technikzentrum Minden-Lübbecke tut alles dafür, dass Mädchen aufholen, dass Mädchen in handwerkliche Berufe drängen und Spaß an Tätigkeiten haben, bei denen Konzentration und Geduld gefragt sind.
Das Interesse muss geweckt werden. Etwa durch die richtige Aufgabenstellung: Es macht einen Unterschied, ob die Mädchen beim Hantieren mit einem Draht die Form eines Herzens biegen sollen oder eine vielleicht in „alter Schule“ die Form einer Lokomotive oder eines Hauses. Die Herzform spricht die Mädchen starker an. Auch der Umgang mit Elektroklemmen lasst sich leichter lernen, wenn die Aufgabe lautet, ein Freundschaftsband zu basteln. Für Karin Ressel ist die richtige Aufgabenstellung aber nur ein Baustein: Auch auf das richtige Werkzeug kommt es an. Da Mädchen oftmals kleinere Hände haben, lohnt es sich, ihnen das passendere Handwerkszeug zu geben. Das Arbeiten mit kleineren Zangen macht ihnen einfach mehr Spaß, erzählt Karin Ressel. Da kann die Mini-Kombizange in kindgerechter Größe ‚kleine Wunder‘ bewirken. Auch in der Industrie wirbt sie dafür. Große Firmen wie Philips hatten auf ihre Anregung entsprechendes Werkzeug angeschafft.
Rund 50 Mädchen und Jungen aus den Klassen 7a und b der Hauptschule nahmen zum „Boys-“ und „Girls-Day“ am Donnerstag im Pfarrzentrum St. Clemens an einem Berufsorientierungstraining teil. Finanziell unterstützt wird das Training vom Verein „Jugendhilfe Direkt“ mit dem Vorsitzenden Hans-Werner Kleindiek sowie der Arbeitsagentur, vertreten durch Berufsberaterin Kristina Hellwig, die regelmäßig in die Schule kommt. Andere Schüler schnuppern an diesem Tag in verschiedene Betriebe hinein, etwa in der Zooschule am Aasee. Beim Berufsorientierungstraining probieren sie sich verschiedentlich aus. Sie biegen Figuren auf Maß, werfen Dachpfannen, bemalen Objekte, ordnen Begriffe zu oder verpacken Gegenstände. 20 Minuten stehen ihnen jeweils zur Verfügung. Oftmals sind sie überrascht, wie schnell die Zeit verfliegt, wenn sie konzentriert bei der Sache sind, erzählt Schulleiterin Ute Rolink. „Für unsere Schüler ist das eine schöne Bestätigung ihrer Talente.“
Aktuell ist ungewiss, ob es das Berufsorientierungstraining künftig noch in der Klasse Sieben geben wird. Karin Ressel weiß: „Es werden derzeit die Richtlinien geändert.“


